

Das historische Zentrum von Bogotá, La Candelaria, ist aufgrund seiner Kolonialarchitektur, Museen und malerischen Restaurants und Bars sehr beliebt. Doch kaum ein anderes Gebäude verkörpert den Geist der kolonialen Vergangenheit der Stadt so sehr wie die gut erhaltenen Kirchen in diesem historischen Viertel und sind daher ein absolutes Muss für jeden Besucher.
Ein Besuch dieser geweihten Gebäude versetzt Sie zurück in eine Zeit, als Spanien ein riesiges und blühendes Territorium beherrschte. Bogotá war die Hauptstadt von „Neugranada“, einer der spanischen Überseeprovinzen. Damals waren weltliche und kirchliche Macht eng miteinander verknüpft. Ein von der spanischen Krone ernannter Vizekönig hatte seinen Sitz in der Stadt, und wie zu erwarten, folgte die Repräsentation der römisch-katholischen Kirche dem Sitz der weltlichen Macht.
Die meisten Kirchen in „La Candelaria“ wurden während der Kolonialzeit erbaut. Die Gestaltung ihrer Altäre, Fassaden, Skulpturen und Gemälde ist ein herausragendes Beispiel für die Kunst- und Architekturstile, die in der Blütezeit des spanischen Reiches entstanden.
In diesem Artikel stellen wir Ihnen zehn Kirchen vor, die unserer Meinung nach einen Besuch wert sind, falls Sie in Bogotá sind. Die Adressen der einzelnen Kirchen sind ebenfalls angegeben. Keine Sorge, Sie brauchen keine Karte; in Bogotá findet man sich sehr leicht zurecht. Die Straßen werden je nach ihrer Ausrichtung als „Calles“ und „Carreras“ bezeichnet. Die Calles verlaufen in Ost-West-Richtung und ihre Hausnummern steigen nach Norden hin an, während die Carreras in Nord-Süd-Richtung verlaufen und ihre Hausnummern nach Westen (weg von den Bergen) zunehmen. Die Berge dienen als guter Orientierungspunkt, da sie den östlichsten Punkt der Stadt markieren. Sie müssen lediglich die Hausnummern der Carreras und Calles kennen, um den gewünschten Ort im XY-Straßenraster zu finden.
Hier ist die Liste der Kirchen mit einer kurzen Beschreibung der wichtigsten Merkmale:
Östliches Gebiet (angrenzend an die Berge)
1. Der Montserrate-Gipfel „Cerro de Monserrate“: Er ist zweifellos das Wahrzeichen Bogotás. Auf seinem Gipfel befindet sich die weiße Kirche mit dem Schrein für El Señor Caido (den Gefallenen Herrn) aus den 1650er Jahren. Wir haben bereits einen Blogbeitrag über diese Kirche und den Berg verfasst, der einen Blick wert ist.

2. Iglesia de la Aguas: Diese kleine, wunderschöne Kirche ist „Nuestra Señora de Las Aguas“ geweiht. Sie wurde im 17. Jahrhundert erbaut und verfügt über eine Kapelle mit Kuppel und zentralem Altaraufsatz aus Lehmziegeln. In der Kirche befindet sich ein berühmtes Gemälde von Antonio Acero de la Cruz mit dem Titel „La Virgen del Rosario“. Vor der Kirche erstreckt sich ein malerischer Platz im Kolonialstil mit einem Brunnen und einem Kunsthandwerksladen, der eine interessante Auswahl kolumbianischer Handwerkskunst bietet. Adresse: Carrera 3 Nr. 18-66.
3. Die Kirche La Candelaria („Iglesia de la Candelaria“): Diese Kirche gab dem gesamten Viertel seinen Namen. Dank ihrer pastellgelben Farbe ist sie leicht zu erkennen. Sie wurde zwischen 1686 und 1703 unter der Leitung des Architekten Don Diego de Montemayor Sanchez erbaut. Die Augustinermönche, die ihren Bau in Auftrag gaben, weihten sie Unserer Lieben Frau von Candelaria. Im Inneren der Kirche befinden sich Gemälde von Gregorio Vásquez (1638–1711), dem berühmtesten kolumbianischen Künstler der Kolonialzeit. Das Kirchengebäude wurde beim Erdbeben von 1968 schwer beschädigt, aber vor Kurzem restauriert. Es liegt an der Kreuzung von Calle 11 und Carrera 4.
4. Die Kirche El Carmen („Iglesia del Carmen“): Sie ist eine der bekanntesten Kirchen in „La Candelaria“ und beherbergt eine der beliebtesten Mariendarstellungen des Landes, die „Virgen del Carmen“. Die Kirche wurde 1927 erbaut und im April 1993 zum Nationaldenkmal erklärt. Charakteristisch für diese wunderschöne Kirche sind ihr gotischer Stil und die rot-weißen Streifen ihrer Fassade. Im Inneren befinden sich Gemälde aus der Kolonialzeit. Jedes Jahr am 6. Januar findet hier traditionell die Verehrung der Heiligen Drei Könige statt, bei der auch Schauspieler die Weihnachtsgeschichte darstellen. Carrera 5 N° 8-36
Südlicher Bereich (rund um die Plaza de Bolívar)
5. Die Kathedrale von Bogotá: Sie ist eine der größten Kirchen Kolumbiens. Die Kathedrale wurde zwischen 1807 und 1823 erbaut und beherbergt die sterblichen Überreste von Don Gonzálo Jiménez de Quesada, dem Gründer Bogotás. Die neoklassizistische Kathedrale befindet sich an der Plaza de Bolívar (Ecke Calle 11 und Carrera 7) und ist zugleich Sitz des Erzbistums Bogotá. Aufgrund ihrer historischen Bedeutung sowie ihres architektonischen und kulturellen Wertes wurde sie zum Nationaldenkmal erklärt.

6. Die Kirche San Agustín (Iglesia de San Agustín): Die Kirche San Agustín wurde 1637 erbaut und ist eine der ältesten Kolonialkirchen Bogotás. Ihre beeindruckende Architektur wurde kürzlich restauriert. Der Stil ähnelt dem anderer Kolonialkirchen, doch was dieses Gebäude auszeichnet, sind die prächtigen barocken Altarbilder und die Figur der „Virgen de Alta Gracia“ (Jungfrau der hohen Gnade). Sie befindet sich in der Carrera 7 Ecke Calle 7, gegenüber dem Präsidentenpalast (Casa de Nariño).
7. Museumskirche Santa Clara „Museo Iglesia Santa Clara“: Sie befindet sich in der Carrera 8 Nr. 8-91 und ist wohl die repräsentativste Kolonialkirche Bogotás. Erbaut zwischen 1629 und 1674 als Teil des Klarissenklosters, ist die Kirche einschiffig und besitzt ein Tonnengewölbe mit floralen Bemalungen. Die Wände sind vollständig mit Gemälden (über 100 Stück), Heiligenstatuen und Altarbildern aus dem 17. und 18. Jahrhundert bedeckt. Sie ist die einzige Museumskirche des Landes.
Der nördliche Bereich (in der Nähe des Goldmuseums)
8. Die Kirche San Francisco (Iglesia de San Francisco): Diese Kirche an der Ecke Carrera 7 und Avenida Jiménez (Calle 13) wurde zwischen 1557 und 1621 erbaut und ist eine der ältesten Kolonialkirchen Bogotás. Von außen mag sie eher schlicht wirken, doch ihr Inneres ist von großer Schönheit und Pracht. Die Decke ist kunstvoll verziert, und der Altar aus poliertem, vergoldetem Holz im flämischen Stil des 17. Jahrhunderts zählt zu den prächtigsten Altären seiner Art. Die Kirche ist stets gut besucht von Gläubigen und Kerzenlicht, was eine besondere Atmosphäre schafft. Eine Besonderheit dieser Kirche ist die kleine Jesus-Statue mit ungewöhnlich langem, lebensecht wirkendem Haar. Der Legende nach wuchsen der Statue durch ein Wunder echte Haare, die bis heute weiterwachsen.
9. Die Kirche von Veracruz („Iglesia de la Veracruz“) liegt zwischen den Kirchen San Francisco und La Tercera. Ihre Fassade ist eher schlicht, und auch das Innere ist zurückhaltend. Die Altaraufsätze und der Altar selbst sind jedoch im feinen Mudéjar-Stil (spanisch-maurisch) verziert. Diese Kirche ist als Nationalpantheon bekannt, da hier viele Helden des Unabhängigkeitskampfes begraben liegen. Eine der Hauptattraktionen ist das Bildnis des „Señor de la Buena Esperanza“, das viele Gläubige anzieht und sich seit der Kolonialzeit in der Kirche befindet.
10. Kirche La Tercera „Iglesia la Tercera“: Neben der „Iglesia de la Veracruz“ befindet sich die „Iglesia la Tercera“, die als Juwel kolonialer Sakralarchitektur in Bogotá gilt. Ihr Bau begann 1760 und wurde zwischen 1774 und 1780 abgeschlossen. Sie besitzt eine Steinfassade und wunderschöne, holzgeschnitzte Altäre.
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